Mit der Athleticum-Übernahme durch den französischen Sportartikel-Discounter Decathlon sind die schlimmsten Befürchtungen der Konkurrenten eingetreten. «Wenn Ketten wie Decathlon in die Schweiz kämen, hätten wir alle ein Problem.» Das sagte Otto’s-Chef Mark Ineichen (47) bereits, als die Franzosen 2016 ihren Schweizer Webshop testeten. Der Warenpostenverkäufer besitzt die Günstig-Outdoor-Kette Sherpa Outdoor. 

Der zweitgrösste Anbieter im Sporthandel, SportXX, muss sich warm anziehen. Zwar sagt die Migros-Tochter von sich, man sei «der grosse Marktanteils-Gewinner der letzten vier Jahre» mit jährlich zweistelligen Wachstumsraten im Sportartikel-Markt, der 1,8 Milliarden Franken schwer ist. Doch preislich kann das Unternehmen nicht mithalten.

SportXX ist mit 60 Filialen schweizweit präsent. Nur Marktführerin Ochsner Sport verfügt über noch mehr Läden (86). Die Nummer eins erzielte letztes Jahr 424 Millionen Franken Umsatz.

Decathlon, die neue Nummer 3, kommt mit 23 Athleticum-Filialen auf fast 200 Millionen Franken Umsatz, wie die Athleticum-Besitzer Maus Frères BLICK ausrichten lässt.

Decathlon startet Test mit Kleinfiliale

Offenbar laufen die Geschäfte in den ersten zwei Schweizer Decathlon-Filialen glänzend. «Wenn man das grosse Wachstum in Neuenburg und Genf sieht, dann sind die Perspektiven für die ganze Schweiz sehr positiv», so eine Decathlon-Sprecherin. 

Unter Druck kommen nun vor allem kleinere, etwa auf Outdoor-Artikel spezialisierte Sporthändler in urbanen Hochfrequenz-Lagen. An bester Lage, neben dem Hauptbahnhof Genf, wird Decathlon am 1. Dezember als Test eine kleine Stadt-Filiale eröffnen, wie die Decathlon-Sprecherin ankündigt.

Nervosität wegen Decathlons Billigpreisen

Die Kleinen reagieren mit Schweigen auf die Expansion der Franzosen. Viele von BLICK befragten Fachhändler wollen sich nicht zur neuen Konkurrenz äussern. Die Nervosität ob Decathlons Billigpreisen ist offenbar gross.

Decathlons Mulliez-Clan verfügt nicht nur über eine grosse Einkaufsmacht bei Marken. Diese machen in der Schweiz lediglich 8 Prozent aus. Das grosse Standbein sind innovative Eigenmarken wie Kalenji, BTwin oder Quechua.

Kurt Meister vom Marktforschungsinstitut GfK rechnet künftig mit einer Bereinigung im Sportfachhandel: «Wir haben noch immer gegen 700 Sportfachgeschäfte, diese Anzahl dürfte sich in Zukunft verringern.»