Am 1. September ist der internationale Tag des Bartes, an dem weltweit das männliche Gesichtshaar gefeiert wird. Der etwas ungewöhnliche Feiertag ist dafür da, die Freude am Bart mit Gleichgesinnten zu teilen – und ihn mit Stolz zu tragen.

Einst verpönt, sind Bärte heute wieder in Trend, wie eine aktuelle Umfrage der Dating-Plattform c-date.ch zeigt. Über zwei Drittel der befragten Männer tragen zumindest teilweise einen Bart. Länge und Form können variieren – Hauptsache nicht rasiert!

Wo Mann und Frau sich einig sind

Mit 38% am beliebtesten ist der Dreitagebart, welcher auch bei den meisten Frauen gut ankommt. Hollywood-Beau George Clooney (57) macht schon lange vor, dass unrasiert nicht gleich ungepflegt bedeuten muss, sondern ganz im Gegenteil sexy macht. Auch der etwas gewagtere Vollbart erfreut sich wachsender Beliebtheit. Einem Viertel der Männer – und auch der Frauen! – gefällt Langhaar im Gesicht. Sowohl beim Küssen als auch beim Sex findet es die Mehrheit der Frauen antörnend, wenn Mann Bart trägt.

Neben Dreitage- und Vollbart gibt es andere Bartformen: So setzen 16 % der Männer auf den guten alten Schnauzbart, der sein 80er-Jahre Prolo-Image längst abgelegt hat. 10­ % tragen einen sogenannten «Henriquatre», einen Bart rund um den Mund, und 6 % ein Bärtchen in Form eines Ankers. 

Bärte nicht mehr nur für Hipster

Wieso lässt Mann heutzutage überhaupt die Härchen spriessen? «Der Bart war schon immer ein Thema und wird auch immer eines bleiben», meint Starcoiffeur und Profi-Barbier Eddine Belaid (44). 2010 eröffnete er seinen ersten Barbershop in Zürich und hat seither täglich mit Bärten zu tun. Seine Beobachtung: «Es sind Wellenbewegungen, die stattfinden. Bart wird immer wieder kommen und gehen – mal ist er im Trend, mal weniger.» Abgesehen von ihrer Funktion als Modestatement sind Bärte ausserdem gesund: Die Gesichtsbehaarung bietet Schutz vor Sonneneinstrahlung und mindert das Hautkrebsrisiko, erklärt Belaid.

Die Geschichte der Gesichtsbehaarung

Altertum

Schon 500 v. Chr. im Perserreich spielte der Bart eine wichtige Rolle: Als Zeichen der Männlichkeit und Macht wurde der Bart sorgfältig gepflegt. Mit Lockenstäben wurde das Haar in Form gebracht, manche Herrscher färbten ihre Bärte schwarz und rot oder verzierten ihn mit Goldfäden. Und in der griechischen Kultur galt die Gesichtsbehaarung als Zeichen von Weisheit und Würde. Bärte wurden nur zu Anlässen der Trauer oder als Bestrafung rasiert.

Frühe Neuzeit

Während aus römischer Sicht der Vollbart lange als Zeichen des Barbarentums galt, waren Bärte ab Mitte des 16. Jahrhunderts wieder weit verbreitet und galten als Statussymbol. Auch im 17. und 18. Jahrhundert blieb die Barttracht Teil der Mode, wobei die Art des Bartes in der Regel vom Königshof diktiert wurde. 

Die goldene Ära

Absolute Blütezeit des Bartes war das 19. Jahrhundert. In Frankreich gab die Bartform Aufschluss über die politische Gesinnung seines Trägers, in England und Spanien war der Schnauzbart nur für Militärangehörige. Ab den 1850er-Jahren verloren Bärte ihre politische Bedeutung und das Barttragen verbreitete sich in allen Gesellschaftsschichten. Bis ins frühe 20. Jahrhundert wählten Männer vorwiegend glatt rasierte Gesichter und Schnurrbärte. Die Trendwende hatte vor allem auch damit zu tun, dass man 1900 glaubte, über Bärte können Krankheiten wie Tuberkulose oder Diphtherie übertragen werden. 

Das Bart-Revival

Um 1965 erlebte das Barttragen den nächsten Boom, und das nicht nur bei den Hippies. In den 80er-Jahren war der Schnauzbart stark angesagt, seit den 90ern wird der Dreitagebart immer beliebter. Und der Trend hält sich bis heute: Im Zuge der «Hipster-Bewegung» kamen – insbesondere bei jüngeren Männern – Vollbärte wieder in Mode. 

Wenn es vor zehn Jahren noch die «echten Barträger» – Herren um die 50 – waren, die Belaids Salons frequentierten, ist seine Kundschaft heute vielseitig. «Es gibt keine Klientel, die man zuordnen kann.» Vom Banker bis zum normalen Arbeiter, mittlerweile hat fast jeder einen Bart. Noch vor wenigen Jahren meinten viele Stylisten, Barttragen sei bloss ein Trend, der schnell wieder verschwindet. Ein Blick auf die Strasse beweist jedoch das Gegenteil. «Aus einem Mikro-Trend ist definitiv ein Makro-Trend geworden.»