Auf Facebook präsentieren sich die Nutzer von ihrer besten Seite, laden die schönsten Bilder von sich hoch und geben Informationen über sich preis. Doch immer öfter zeigen User im Sozialen Netzwerk auch ihre hässliche Seite mit Kommentaren jenseits des guten Geschmacks.

Weil man gegen Nippel-Bilder rigoros vorgehe, Hass-Beiträge aber dulden würde, geriet auch Facebook in der Öffentlichkeit zunehmend unter Druck. Selbst ranghohe Politiker suchten offen den Konflikt mit dem Konzern.

Der Facebook-Chef ist kein Experte

Jetzt hat Facebook reagiert und die Kritiker zu sich ins Firmen-Gebäude nach Dublin gebeten. Neben dem Europa-Sitz kümmern sich auch in den USA und im indischen Hyderabad Facebook-Mitarbeiter um die Beiträge von Nutzern.

Chef im Konzern-Gebäude in Dublin ist Gareth Lambe. Auf die brennenste Frage von Journalisten, wieviele Leute sich unter ihm um das Kontrollieren der Kommentare kümmern würden, liefert Lambe keine Antwort. «Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht», wird er im «Spiegel» zitiert.  Auch über die Hass-Problematik im Internet will er nicht gross reden. Da sei er kein Experte.

Nur etwas konkreter wird dann Julie de Baillencourt, Safety and Policy Manager für Facebook Europa. Hunderte Mitarbeiter würden sich um die Kommentare kümmern – alle in ihrer jeweiligen Muttersprache. Eine genaue Zahl nennt auch sie nicht.

Rachepornos, Mobbing, Enthauptungen

Andere Probleme scheinen Facebook mehr zu beschäftigen: Unter den weltweit rund 1,4 Milliarden Nutzern würden auch immer wieder Gewaltdarstellungen, Mobbing, Rachepornos oder gar Enthauptungsvideos von Terror-Organisationen auftauchen – und eben Nippel-Bilder. Diesen Probleme scheint Facebook mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Ganz unter den Tisch kehren will man das Thema Hass-Kommentare bei Facebook dann doch nicht. Siobhan Cummiskey ist in Europa und im Nahen Osten verantwortlich für die Regeln, die auf Facebook gelten. Sie stellt sofort klar, dass man sehr wohl etwas gegen Hass-Kommentare unternehme. Sie hält aber ein anderes Mittel für wirkungsvoller: Anstatt immer nur Beiträge löschen zu lassen, sollten Nutzer ihre Meinung kundtun und gegen die wütenden Schreiberlinge dagegenhalten. (cat)