Es ist eine kleine Sensation! Anstatt an eine Produktion der grossen Filmstudios wie Universal oder einen kleinen Independent-Film, geht der goldene Löwe am diesjährigen Filmfestival in Venedig in die Hände des Streaming-Dienstes «Netflix». Das Drama «Roma» des Mexikaners Alfonso Cuarón (56) wurde als bester Film ausgezeichnet. 

Cuarón, der zuvor zwei Oscars für das Weltraumdrama «Gravity» gewann, drehte «Roma» ausschliesslich in schwarz-weissen Bildern. Der Film erzählt die Geschichte einer Familie im Mexiko der 1970er Jahre und fokussiert dabei auf die Kindermädchen und Haushälterinnen. Der Regisseur erklärte, das Werk sei eine Hommage an die Frauen, die ihn grosszogen.

Der zweitwichtigste Preis des Festivals, der Grosse Preis der Jury, ging an «The Favourite». Der Grieche Yorgos Lanthimos (45) erzählt darin von den Intrigen am Hof der britischen Queen Anne. Für die Rolle der Königin wurde Hauptdarstellerin Olivia Colman (44) als beste Schauspielerin geehrt.

Für die beste Regie wurde der Franzose Jacques Audiard (66) für seinen Western «The Sisters Brothers» ausgezeichnet. Die US-Brüder Ethan (60) und Joel Coen (63) gewannen den Preis für das beste Drehbuch für «The Ballad of Buster Scruggs», ebenfalls eine Netflix-Produktion.

Als besten Schauspieler ehrte die Jury den US-Amerikaner Willem Dafoe. Der 63-Jährige verkörpert in Julian Schnabels «At Eternity's Gate» den berühmten Maler Vincent van Gogh.

Alfonso Cuarón nahm den goldenen Löwen für «Roma» entgegen.    (KEY)
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Das Schwarzweiss-Drama konnte Jury und Publikum überzeugen.    (AP)
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Es ist der erste Gewinn in Venedig für Netflix.    (Keystone)
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Der Mexikaner freute sich sichtlich über den Preis.    (AP)
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Gewinner des grossen Preis der Jury: Yorgos Lanthimos.    (Keystone)
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Ein Preis mehr für sie: Joel (l.) und Etan Coen.    (Keystone)
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Gleich zwei Auszeichnungen gab es für «The Nightingale» der Australierin Jennifer Kent. Der Film wurde mit dem Spezialpreis der Jury geehrt.

Die Regisseurin war die einzige Filmemacherin im diesjährigen Wettbewerb. Ihr Hauptdarsteller Baykali Ganambarr gewann ausserdem den Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller. Er spielt in dem Drama einen Aborigine, der unter den britischen Kolonialherren leidet. (sda/klm)