Über fünf Millionen Franken: So viel gibt der Bund jedes Jahr aus, um Fleisch-Werbung in TV-Spots und Anzeigen zu subventionieren. Das Ganze nennt sich «landwirtschaftliche Absatzförderung». Dabei essen Herr und Frau Schweizer schon jetzt viel zu viel Plätzli, Bratwürste und Hackfleisch. Eine repräsentative Umfrage des Bundes ergab vergangenes Jahr, dass wir im Durchschnitt über dreimal so viel Fleisch konsumieren, wie laut Ernährungspyramide empfohlen wird.

Der Tierrechtsorganisation Tier im Fokus stösst das sauer auf. In einem offenen Brief fordert sie das Bundesamt für Landwirtschaft auf, Fleischwerbung nicht weiter finanziell zu fördern. Denn die Subventionierung verstosse gegen die Auflagen, die sich der Bund selbst gesetzt hat, sagt Präsident Tobias Sennhauser.

«Fleischwerbung steigert die Lust auf Fleisch»

Er bezieht sich auf ein Papier, das dieses Jahr verabschiedet wurde und die Umsetzung der landwirtschaftlichen Absatzförderung erstmals genauer festlegt. Darin heisst es: Marketingmassnahmen zur Steigerung des Konsums einer bestimmten Produktgruppe dürfen nur dann finanziell unterstützt werden, wenn die Schweizer davon nicht eh schon «bedeutend mehr» essen. 

Genau das ist aus Sicht Sennhausers beim Fleisch der Fall. Das Bundesamt für Landwirtschaft argumentiert, dass es bei der Werbung des Branchenverbands Proviande nicht um die Steigerung des Konsums gehe, sondern um eine «Verbesserung der Positionierung von Schweizer Fleisch gegenüber importiertem Fleisch». «Die Kampagne zeigt auf, weshalb es sinnvoll ist, in der Schweiz Fleisch zu produzieren und wie sich die Produktion gegenüber dem Ausland differenziert», sagt Martin Weber von der Abteilung Qualitäts- und Absatzförderung des Bundesamts für Landwirtschaft. Deshalb sei keine Kürzung der Finanzhilfen vorgesehen. 

Ein Argument, das Tier im Fokus nicht gelten lässt. «Fleischwerbung steigert die Lust auf Fleisch, egal welche Werbebotschaft transportiert wird.» In vielen Sparten bestünde zudem gar kein Bedarf, den Anteil von Schweizer Fleisch am Gesamtkonsum zu fördern. «Mit Ausnahme von Poulet ist der Inlandanteil bei Fleisch generell hoch», sagt Veganer Sennhauser.

Vorstoss im Parlament ist versandet

Tier im Fokus kämpft seit Jahren gegen die staatlich subventionierte Fleischwerbung. Bereits 2015 forderte sie in einer Petition, dass keine Steuergelder für die Marketingmassnahmen von Proviande eingesetzt werden. Eine parlamentarische Initiative von SP-Nationalrat Beat Jans (54), welche die gleiche Forderung stellte, versandete allerdings. Das Argument der Gegner: Der Verzicht auf die Förderung von Schweizer Fleisch könnte den Konsum von Importfleisch begünstigen und damit der inländischen Produktion schaden. Und für diese würden schliesslich hohe Anforderungen in Sachen Tierwohl gestellt.

Auch dieses Argument überzeugt Sennhauser nicht. «Es ist ein Irrtum, dass Schweizer Nutztiere artgerecht gehalten werden und nicht leiden müssen», sagt er. Das Ziel von Tier im Fokus ist deshalb, dass irgendwann gar kein Fleisch mehr konsumiert wird. Zudem unterstützt die Organisation die Massentierhaltungs-Initiative, die eine Abschaffung der Massentierhaltung in der Schweiz fordert.