Es sind ideale Voraussetzungen für eine Youtube-Karriere, wenn auch nicht unbedingt aus Sicht des Protagonisten selbst: Mit der Rede zum Tag der Kranken gelang Bundesrat Schneider-Ammann vor zwei Jahren ein Youtube-Knüller

Damals unfreiwillig zum Hit avanciert, will der Wirtschaftsminister nun ganz offiziell zum Youtuber werden. Seit kurzem veröffentlicht sein Departement auf einem eigenen Kanal Videos mit Schneider-Ammann. In den kurzen Clips, die auf Twitter geteilt werden, gibt dieser einen Einblick in die Arbeit als Bundesrat. So schickt er beispielsweise Grüsse aus São Paulo oder berichtet mit Blick über Montevideo (Uruguay) vom Besuch in einer Fleischfabrik. 

Schneider-Ammann «mit Spass dabei»

Mit den Clips wolle man besonders junge Menschen erreichen, die lieber ein kurzes Video anschauen statt einen langen Text lesen würden, sagt Noé Blancpain, Sprecher des Wirtschaftsdepartements. «Gerade auf Reisen vermitteln bewegte Bilder zudem besser die Eindrücke und Atmosphäre.» Schneider-Ammann sei bei den Videoproduktionen «engagiert und mit Spass dabei».

Das vermag der Bundesrat in den Videos allerdings gekonnt zu verbergen.  So holprig, wie er spricht, sind zudem die Aufnahmen. Verwackelte Schwenks, harte Schnitte, schlechte Beleuchtung: Hinter der Handykamera stehen ganz offensichtlich keine Profis. Die Videos würden von den Pressesprechern produziert, sagt Blancpain. Aus Spargründen habe man für zusätzliches Personal oder externe Aufträge kein Budget.

Youtuber Lionel ist skeptisch

Lionels Youtube-Kanal «Ask Switzerland» hat über 60'000 Abonennten. Derjenige Schneider-Ammanns derzeit 40.

Sich Rat zu holen wäre allerdings gratis gewesen – zum Beispiel beim Schweizer Youtube-Star Lionel (20). Sein Urteil zu Schneider-Ammanns Video-Versuchen fällt vernichtend aus: «Das Einzige, wofür man hier ein Lob aussprechen kann, ist die Absicht hinter den Videos», meint er. Doch er zweifle daran, dass man damit die Jugend wirklich für Politik begeistern kann. «Es wirkt, als würde Schneider-Ammann einfach eine Pressemitteilung runterlesen. Das ist nicht wirklich authentisch», sagt Lionel.

Nichtsdestotrotz freut er sich über die Videos. «Schliesslich wären es unsere Steuergelder, die für eine professionellere Produktion draufgingen. Und ich zahle meine Steuern nicht, damit der Bundesrat Videos produziert. Sondern damit er arbeitet.»