Young Küken Joëlle Weil (joëlle.weil@ringier.ch)

Lieber Herr Ramspeck

Bei einem Komödianten sah ich Folgendes: Er und seine Freundin gehen die Strasse entlang. Er zeigt auf ein Haus und sagt: «Hier wohnt meine Ex.» Sie sagt: «Hier wohne ich!» Er sagt: «Genau.» Auch witzig, aber die grosse Liebe schickt man so nicht in die Wüste. Ich möchte nicht behaupten, dass wir uns öfter auf Beziehungen einlassen. Wir haben aber im Gegenzug zu Ihrer Generation mehr Zeit dafür, da wir später heiraten und uns – vor allem als Frau – vergleichsweise zu früher, länger austoben. Ob wir uns deshalb häufiger verlieben? Vielleicht nicht. Verknallen jedoch schon. Deshalb glaube ich, dass wir uns vielleicht öfter auf Beziehungen einlassen, die ein legeres Schlussmachen vertragen. Zudem eröffnen die neuen Wege der Kommunikation das Tor zur Unverschämtheit. Kein Elend vor der Nase, kein Stottern. Der Daumen tut, was er eben kann: Simsen. Ich kenne einige, die so kurze Liebschaften beendet haben. Schlimm finde ich es nicht. Wenns was Kurzes war, muss man weder seine noch die Zeit des anderen verschwenden. Wer aber verliebt war, der hat immer den Mut gefunden, es seinem Gegenüber ins Gesicht zu sagen. Wir haben unser Herz nicht verloren.