Er wirft dem SRF Rassismus vor: Moderator und Rapper Ugur Gültekin (33) twittert unter dem Hashtag #metwo*, wie er als Türke bereits mit Anfeindungen konfrontiert worden sei und gibt eines «aus unzähligen Beispielen» an: «Eine externe Produktionsfirma, die im Auftrag des SRF eine TV-Serie produzieren sollte, schlug mich als Moderator bei der zuständigen Redaktion vor», schreibt der einstige Mitarbeiter des Jugendsenders Joiz und publiziert – anonymisiert – das Mail, das er von der zuständigen Person erhalten hat.  

Darin wird die Reaktion des SRF auf den Vorschlag der Produktionsfirma wiedergegeben: «Die Würfel werden weiterhin kräftig gemischt! Es gab ein bisschen die Reaktion ‹aber der ist doch Türke, das können wir auf dem Land vergessen, bei all den SVP-Wählern› – und trotzdem, du bist immer noch im Rennen und einer meiner Favoriten, wenn nicht der absolute.»

«Das Mail hat mich wütend gemacht»

Das Ganze sei dann aber nicht zustande gekommen, fügt Gültekin konsterniert an. «Das Mail der Produktionsfirma hat mich traurig und wütend gemacht», erklärt er gegenüber BLICK. «Ich empfand diese Begründung als ungerecht. Wenn meine vermeintliche Herkunft – ich besitze neben meiner schweizerischen Bürgerschaft auch die türkische – der Grund für eine Absage ist, hat das wohl nur mit äusseren Merkmalen und meinem Aussehen zu tun oder präziser: mit den Bildern, die damit assoziiert werden.» Wichtig zu betonen sei ihm zudem, dass er aus einer kurdischen Familie stamme.

Es habe nicht mal ein Casting gegeben, in dem seine fachliche und inhaltliche Tauglichkeit für das Format abgeklärt worden sei. «Ich finde, Menschen sollten individuell beurteilt werden. Genau das ist hier nicht passiert.» Besonders enttäuscht habe ihn, dass die Produktionsfirma trotz dieser Information und Begründung, die sie von der zuständigen Redaktion erhalten haben, das Projekt umgesetzt habe. «Es hätte auch die Option bestanden, sich mit mir zu solidarisieren und auszusteigen.»

Die Sendung will er nicht verraten

Sagen, mit wem er Mailverkehr hatte und um welche Sendung es sich gehandelt hätte, will Gültekin aber nicht. Warum enthält er diese Information vor? «Ich will keine Einzelpersonen an den Pranger stellen. Das wären sowieso nur Bauernopfer», sagt er dazu. Seine Absicht mit dem Posting sei eine andere: «Ich will mich damit mit dem Hashtag #metwo solidarisieren, der durch den deutsch-türkisch-kurdischen Journalisten Ali Can ins Leben gerufen wurde und nun viral geht.» Er wolle «ein Puzzleteil zu diesen vielfältigen und unterschiedlichen Ausgrenzungserfahrungen beisteuern», damit diese Erfahrungen sichtbar würden sowie andere Menschen dazu ermutigen, von ihren Geschichten zu erzählen.

SRF weist Diskriminierung von sich

Und was sagt das SRF dazu? «SRF diskriminiert keine Personen und keine Gruppen von Personen – weder wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit noch aufgrund ihrer Religion, ihrer Geschlechtsidentität oder ihrer sexuellen Orientierung», sagt Sendersprecher Stefan Wyss zu BLICK. Zum besagten Tweet «können wir uns nicht äussern,  da wir nicht wissen, um welche Sendung es sich handeln könnte. Die internen Abklärungen laufen.»

Die Programme von SRF würden die schweizerische Wirklichkeit in all ihren Facetten abbilden, so Wyss weiter. «Schweizerinnen und Schweizer mit Migrationshintergrund und in der Schweiz lebende Ausländerinnen und Ausländer sind in sämtlichen Bereichen vertreten: als Mitarbeitende, Sendungsgäste, Gesprächspartner, Casting-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer, Schauspielerinnen und Schauspieler oder Publikum.» (bnr/wyt)

* Der Hashtag #metwo kam im Zuge des Mesut-Özil-Skandals zum Einsatz. Er geht auf den Sozialaktivisten Ali Can zurück, der Betroffene ermutigte, den Hashtag in ihren Tweets zu verwenden, um auf das Ausmass rassistischer Belästigung und rassistischer Übergriffe aufmerksam zu machen. #metwo ist Englisch, steht für «ich zwei» und meint, man ist Mensch mit zwei Nationalitäten.