In Italien geht ein Fieber um. Eines, das besonders im Piemont mächtig wütet. Die grösste Ansteckungsgefahr herrscht in Turin. Dort scheint niemand davor sicher: dem Ronaldo-Fieber. 

Am Montag wurde der Neuzugang der Öffentlichkeit präsentiert. Kreischende, tobende, euphorische Fans empfangen den portugiesischen Superstar. Selfies, Autogramme, Liebesbekundungen. Negative Nebengeräusche? Nix. Weit und breit. Dabei wurde für Montag ein Streik angekündigt. Juventus Turin und der Autokonzern Fiat gehören beide Exor, der Investment-Holding des Agnelli-Clans. Wegen des dicken Finanzpakets, das für das Ronaldo-Engagement geschnürt wurde, wollten Fiat-Angestellte die Arbeit niederlegen.

Es hätte ein grosses Statement gegen Ronaldo, gegen die Ablösesumme (112 Mio. Euro) und den galaktischen Lohn (30 Mio. Euro pro Jahr) werden sollen – scheitert aber grandios. «Von den rund 1700 Mitarbeitern streikten nur fünf. Die Anzahl der Teilnehmenden betrug 0,3 Prozent», sagt ein Pressesprecher des Konzerns.

Die besten Bilder vom «Ronaldo-Day» in Turin | Fans und Medien können es kaum erwarten, Ronaldo erscheint gleich zum Medizin-Check.   (MIGUEL MEDINA)
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Am Anfang müssen sich die Anhänger noch gedulden. Wann kommt Ronaldo?   (MIGUEL MEDINA)
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Da ist er! CR7 taucht auf – und die Juve-Fans sind ganz aus dem Häuschen.   (MIGUEL MEDINA)
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Alle wollen ein Foto vom portugiesischen Superstar erhaschen.   (Massimo Pinca)
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Erste Autogrammwünsche werden erfüllt.   (Daniele Badolato - Juventus FC)
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Dann steht der Medizin-Check an: CR7 wird verkabelt, muss aufs Laufband.   (Daniele Badolato - Juventus FC)
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Hier im Medical Center beim Juventus Stadium werden Ronaldos Werte geprüft.   (MIGUEL MEDINA)
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Derweil warten die Fans draussen und feiern den Juve-Neuzugang.   (MIGUEL MEDINA)
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Einer präsentiert stolz das erworbene Trikot.   (Luca Bruno)
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Ronaldo wirkt geschmeichelt ob des euphorischen Empfangs.   (Massimo Pinca)
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Am frühen Abend gehts dann weiter für den neuen Juventino: Ronaldo wird gleich an der offiziellen Pressekonferenz vorgestellt.   (Stefano Guidi)
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Wieder winkt er der jubelnden Menge zu.   (Stefano Guidi)
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Stattdessen gerät Turin ausser Rand und Band. Juve-Fans rennen den Trikot-Geschäften die Bude ein, um sich das ikonische Shirt mit der Nummer 7 zu sichern. Keine Frage: Der 16. Juli könnte glatt als piemontesischer Feiertag in die Geschichte eingehen. An der Pressekonferenz macht CR7 dann auch gleich klar, was er bei den «Bianconeri» erreichen will: «Ich werde versuchen, dabei zu helfen, die Champions League zu gewinnen.» Aber auch Liga und Pokal möchte Ronaldo zum Saisonende in die Höhe stemmen.  

«Muss keinem etwas beweisen»

Ronaldo wäre nicht er selbst, würde er tiefstapeln. «Mit einem Blick auf meine Zahlen, die nicht lügen, muss ich keinem etwas beweisen, aber ich mag Herausforderungen. Auf gewohntem Terrain möchte ich nicht bleiben», so der fünffache Weltfussballer. «Es ist eine schwierige Liga, taktisch geprägt. Ich habe nie etwas ohne Arbeit erreicht und vertraue meinen Mitspielern bei Juventus. Ich werde mein Bestes geben. Das Alter ist nicht wichtig. Ich werde zur Stelle sein und will jeden Titel gewinnen.»

Und was sagt Ronaldo über seine verflossene Liebe Real? «Ich denke nicht, dass in Madrid jemand weint. Ich habe bei Real Madrid eine brillante Geschichte geschrieben. Der Klub hat mir in jeder Hinsicht geholfen, aber es beginnt eine neue Etappe in meinem Leben.»

Dass in Madrid nach dem Ronaldo-Abschied keine Nastücher Verwendung finden, darf stark angezweifelt werden. In den neun Jahren, die Ronaldo in der spanischen Hauptstadt gewirkt hat, bestiegen die Königlichen endlich wieder den europäischen Olymp. Viermal die Champions League innert fünf Jahren. 450 Tore in 438 Partien – und trotzdem trockene madrilenische Wangen? Eher nicht. 

Für Ramon Calderon, den ehemaligen Real-Präsidenten, ist der Verkauf Ronaldos sogar «ein historischer Fehler». Gegenüber «As» sagt der 67-Jährige: «Es ist sehr traurig, dass sie einen Spieler wie Cristiano Ronaldo verkauft haben. Es ist schade.» Calderon zog bis Januar 2009 die Fäden des «Weissen Balletts». Sechs Monate später war damalige Rekord-Transfer Ronaldos fix.

Ramon Calderon ist über den Ronaldo-Abgang nicht glücklich.  (REUTERS)

«Mit dem, was es mich gekostet hat, ihn zu holen. Der Aufwand, den wir erbringen mussten, um ihn nach Madrid zu bringen … Manchester wollte ihn nicht verkaufen und es war sehr schwierig», so Calderon. «Und jetzt haben sie ihn verkauft. Es gibt keinen Spieler, der 60 Tore pro Jahr für dich erzielt und dir 100 Mio. Euro wert ist.»

Den Juve-Chefs ists egal. Sie haben einen Transfer-Coup gelandet. Und in Italien ein kaum kontrollierbares Fieber ausgelöst. Das Ronaldo-Fieber.