Es ist eine unfassbare Szene. Moto2-Pilot Romano Fenati (22) tickt beim GP in Misano völlig aus, er greift mitten im Rennen bei rund 200 km/h Gegner Stefano Manzi in den Lenker und betätigt dessen Vorderbremse. (Blick berichtete)

Ein gemeingefährlicher Anschlag. Das Fahrerlager tobt. «Der hat einen Flick weg», sagt Dominique Aegerter. MotoGP-Star Cal Crutchlow: «Der sollte nie wieder fahren dürfen!» Die WM-Organisatoren disqualifizieren den Italiener und sperren ihn für die nächsten zwei Rennen.

Doch Fenati wird länger weg vom Fenster sein: Sein Marinelli-Snipers-Team entlässt ihn am Montag-Mittag. «Wir beenden die Zusammenarbeit wegen seines unsportlichen, gefährlichen und schädlichen Verhaltens per sofort», teilen die Italiener auf Facebook mit. Und weiter: «Mit grossem Bedauern müssen wir festhalten, dass sein unverantwortliches Verhalten das Leben eines anderen Piloten gefährdet hat. Das kann in keinem Fall entschuldigt werden.»

Späte Einsicht bei Fenati

Nun redet auch Fenati selber über den Skandal. Aber der Hitzkopf ist vor der Kamera von «Movistar-TV» weit davon entfernt, wirklich einsichtig zu sein. «Meine Aktion war nicht schön. Es war gefährlich für ihn und auch für mich. Ich will mich nicht rechtfertigen, aber man muss auch meine Perspektive sehen.»

Fenati meint die Szenen vor dem Bremsen-Eklat. Manzi war mit dem Landsmann kollidiert (Strafe: Im Aragon-GP 6 Startplätze zurück), beide verloren einige Plätze und fuhren wild gestikulierend weiter. Fenati: «Manzi hat mich von der Strecke bugsiert. Danach hat er aber auch noch ein zweites Mal vor mir absichtlich verlangsamt! Es ist nicht richtig, dass Fahrer das Rennen von anderen ruinieren.»

Erst nach der Entlassung ringt sich Fenati zu einem Entschuldigungs-Statement durch: «Ich wünschte, es ist alles nur ein schlechter Traum. Ich war kein Mann und entschuldige mich bei allen.»

Opfer Manzi sagt: «Ich weiss nicht, was er in diesem Moment gedacht hat! Das hat nichts mit Rennsport zu tun.»

Auch sein neues Team will Fenati nicht mehr

Ironischerweise hat Fenati für 2019 bereits woanders unterschrieben: Beim Forward-Team, wo «Bremsen-Gegner» Manzi sein neuer Teamkollege wäre!

Wäre – denn dazu kommt es nicht. Denn das Forward-Team wird 2019 als MV-Agusta-Mannschaft auftreten, die Rückkehr der legendären Töff-Marke ist in Italien eine grosse Sache. Firmen-Boss Giovanni Castiglioni liess noch am Montag den Vertrag auflösen: «Echte Sportler würden sich nie so verhalten!»

Gut möglich, dass Fenati nun gar keine Zukunft mehr im Grand-Prix-Sport hat. Zu dick ist sein Sündenregister, zu emotional ist das einstige Toptalent. 2016 flog er mitten in der Saison aus der Nachwuchs-Akademie und dem Team von Superstar Valentino Rossi, es soll in der Box zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. 2015 war er auf der Auslaufrunde eines Trainings ausgetickt, trat, schlug und gestikulierte gegen Niklas Ajo – dann stellte er dem Finnen vor dem Probestart den Motor ab.

Der neueste Skandal bei Renntempo ist nun wohl einer zuviel.